Typografie im Internet

Braucht man wirklich eine individuelle Schriftart auf seiner Webseite?

Autor:

Veröffentlicht:
Oktober 2012

Die Hausschrift auf der eigenen Internetseite? Das war lange ein Problem, doch seit einiger Zeit gibt es Möglichkeiten den eingesetzten Schrifttyp auf der Website zu nutzen. Der Vorteil? Eine konstante Typografie in allen Publikationen der Unternehmung. Auch private Homepage- oder Blog-Betreiber können individuelle Schriften verwenden um sich von der Konkurrrenz abzuheben.

Lange Zeit musste man im Internet auf die websicheren Standardschriften wie Arial, Georgia, Tahoma, Times New Roman, Trebuchet MS oder Verdana zurückgreifen. Diese, mit dem Betriebssystem mitglieferten Fonts, dürfen kostenlos verwendet werden und erfüllen je nach Zielgruppe und Inhalt ihren Zweck. Dennoch: nach vielen Jahren hat man sich oft daran sattgesehen, und es ist erfrischend Webseiten zu besuchen, die sich vom Schriften-Einheitsbrei unterscheiden.

Sie haben schon alternative (Über-)Schriften im Internet gesehen?

Dann waren dies in der Vergangenheit vermutlich häufig Text-Fragmente, die als Grafik in die Webseite integriert wurden. Diese Möglichkeit besteht weiterhin und macht unter gewissen Umständen Sinn. Allerdings gibt es nicht zu vernachlässigende Nachteile. So kann eine Suchmaschine den Text in einem Bild auf ihrer Webseite nicht erfassen, was sich in einem schlechteren Ranking in den Suchergebnissen wiederspiegelt. Auch bietet ein Text in Form einer Grafik keine Möglichkeit, diesen zu markieren oder auszudrucken. Eine weitere Möglichkeit alternative Schriften zu nutzen ist die Einbettung von Texten in eine Flash-Animation oder -Applikation. Hier benötigt der Besucher die Schriftart ebenfalls nicht auf seinem Rechner, allerdings muss er das Flash-Plugin installiert haben, was heute nicht immer sichergestellt ist. Apple-Produkte wie zum Beispiel das iPhone oder iPad unterstützen von Haus aus kein Flash, und kann nur über Umwege aktiviert werden. Vor dem Hintergrund ist die Nutzung von Flash wenig zielführend, zumal hier ähnliche Probleme bestehen wie die bereits erwähnten. In beiden Fällen leidet die Usability in der Nutzung der Webseite. Oberste Priorität sollte die uneingeschränkte Lesbarkeit haben, an zweiter Stelle der optische Mehrwert durch die Typografie und das ggf. einzuhaltende Corporate Design; sonst entscheidet sich der Besucher die Informationen von anderer Stelle zu beziehen und wird ihre Internetseite verlassen.

Rechtliche Situation

Sie haben sich entschieden die (kommerzielle) Hausschrift für die Webseite zu verwenden? Leider kann man die Schriftart, die vermutlich im TrueType oder OpenType-Format vorliegt, nicht im Internet verwenden. Hier bedarf es eines speziellen Dateityps welchen die jeweiligen Browser unterstützen. Es gibt im Internet Möglichkeiten, Schriften aus den genannten Formaten in ein Webformat zu konvertieren. Ob das 100%ig klappt und legal ist stelle ich hier in Frage und kann derartige Vorgehen nicht empfehlen. Die Hersteller optimieren die Schriften häufig für den Einsatz im Internet, dennoch sollte das Schriftbild im Browser vor dem praktischen Einsatz kritisch überprüft werden. Rechtlich gesehen bedarf es meist der sogenanten Web Font Lizenz um die Schrift legal im Internet nutzen zu können. Wenn diese Eckpunkte geklärt sind, steht einer Nutzung nichts mehr im Wege. Selbstverständlich gibt es auch frei verfügbare und somit kostenlose Webfonts, die man auf seiner Internetseite einbinden kann. Grundsätzlich sollte man auch hier die Lizenzbestimmungen beachten. Bei den unten aufgeführten Anbietern habe ich bereits zwei aufgeführt, die explizit den kommerziellen Einsatz gestatten.

Support der Browser

Aktuelle Browser unterstützen die Einbettung von Webfonts prinzipiell sehr zufriedenstellend. Allerdings kann es zwischen unterschiedlichen Browsern noch zu minimal unterschiedlichen Darstellungen kommen, und bei älteren Browserversionen ist zu testen, ob die Darstellung zufriedenstellend ausfällt. Es ist abzuwägen, ob die Unterschiede das Erscheinungsbild maßgeblich einschränken. Auch spielt die angesprochene Zielgruppe eine entscheidende Rolle. Erwarten Sie auf ihrer Webseite überwiegend junges Publikum, sollten Sie sich nicht scheuen diese Technologie zu nutzen um moderne Typografie darzustellen. Zielen die Informationen oder Produkte beispielsweise auf Rentner ab, sollte der zweckmäßige Einsatz hinterfragt werden.

Einbindung und Ladezeiten

Bei einigen Anbietern werden die Webfont-Dateien nicht als Dateien herausgegeben wie man das von Druckschiften für normale Betriebssysteme kennt, sondern auf deren eigenem Webserver gehostet. Das bedeutet, das Sie beim Einsatz der Schrift auf die durchgehende Verfügbarkeit des externen Servers angewiesen sind. Sollte dieser ausfallen, wird ihre Webseite nicht mehr im gewünschten Schriftbild dargestellt. Auch erhöht sich (theoretisch) die Ladezeit – in der Praxis kann man diesen Aspekt jedoch vernachlässigen, da die Server der Hersteller sehr ausfallsicher und gerade für den Einsatz der schnellen Datenauslieferung ausgelegt sind. Sollte der Webfont wider erwarten nicht geladen werden können, kann man als sogenannten „fallback“ eine Alternative (websichere) Schriftart angeben, so das auch in diesem Worst-Case-Szenario die Inhalte ihrer Webseite abrufbar undlesbar sind.

Kosten & Anbieter

Für die anfallenden Kosten sollten Sie die Seiten der einzelnen Anbieter besuchen. Manchmal bezahlt man für eine Webfont-Lizenz pauschal pro Jahr, häufiger ist das Bezahlmodell nach der Anzahl der Website-Aufrufe gestaffelt. Bei der Liste folgender Anbieter – die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – sollten Sie sich einmal umschauen.

 

Artikelbild-Quelle: Bart Simpson Tafel-Generator