Windows 8 – subjektive Eindrücke

Oberfläche von Windows 8

Autor:

Veröffentlicht:
Oktober 2012

Seit wenigen Tagen ist Windows 8 offiziell im Handel erhältlich. Wer sein bisheriges Windows upgraden möchte, erhält eine Professional-Lizenz bereits ab ~30 Euro. Die immer wieder angesprochene Oberfläche, die gerade bei Touch-Devices wie Tablet-PCs und Smartphones punkten soll, findet in Foren und Kommentaren bei PC-Usern offenbar keinen großen Anklang. Aber ist diese ein wirklich so großes Problem?

Die ersten Developer- und Beta-Versionen von Windows 8 sind bereits seit über einem Jahr im Umlauf. Seither wurde viel geschrieben, diskutiert, gelobt und kritisiert. Die auffälligste Änderung ist das weg gefallene Start-Menü, welches seit Windows 95 zum Markenzeichen des Betriebssystems geworden ist. Angenehm ist, dass der Boot-Vorgang nun erheblich schnell von statten geht. Der normale Desktop wurde eher selten erwähnt; immer steht die sogenannte Metro Oberfläche (die mittlerweile offiziell nicht mehr so heißt, da man Rechtsstreitigkeiten mit der Metro AG umgehen wollte) im Fokus.

Der alte Desktop existiert noch

Um diesen Punkt direkt klar zu stellen: der Desktop, wie man ihn aus den bisherigen Windows-Versionen kennt, existiert noch! Hier können wie gehabt Programm-Icons, Verknüpfungen oder gar ganze Ordner abgelegt werden. Ich finde dieser Aspekt wird in der Berichterstattung viel zu selten erwähnt. Die große Neuerung, die Kachel Oberfläche, wurde lediglich über den Desktop gespannt und bietet weitere Möglichkeiten. Hier werden die sogenannten Windows 8-Apps in Form von Kacheln abgelegt. So gibt es zum Beispiel von Haus aus eine Mail-App, mit der ich meine E-Mail Konten abrufen kann. Geht eine neue E-Mail ein, werde ich direkt auf der Metro-Oberfläche in Form eines Newstickers darüber informiert. Der Betreff der E-Mail wird in der entsprechenden Kachel angezeigt. Mit einem Klick öffnet sich die App und die elektronische Post kann gelesen werden. Diese Funktionalität ist natürlich nur gegeben so lange man mit dem Internet verbunden ist. Welche Apps man auf der Metro-Oberfläche ablegt bleibt jedem selbst überlassen. Nicht jede installierte App muss auf der neuen Startseite des Betriebsystems angezeigt werden.

Windows 8 App Angebot

Die Anzahl an Apps ist bereits recht umfangreich. Allerdings sind viele oft minderer Qualität. Zum Beispiel funktioniert häufig die Scroll-Funktion am Touchpad meines Laptop nicht. Dadurch wird die Navigation innerhalb der App recht mühselig, da hier in der Regel in der horizontalen und nicht in der vertikalen gescrollt wird. Auch werden bestimmte Informationen manchmal nur angeteasert, und mit einem Klick auf einen Link öffnet sich der traditionelle Browser mit der entsprechenden Internetseite. Dies sollte nicht passieren. Die App sollte derart konzipiert sein, das ein Artikel sofort vollständig gelesen werden kann. Zu dem gibt es viele Apps die keinen wirklichen Nutzen bieten, und so muss man sich im Windows Store (der die kostenlosen wie kostenpflichtigen Apps bereit stellt) durch lange Listen scrollen. In den Details zu einer Win8-App wird neben der Größe der Installationsdateien und bereits geschriebenen Rezensionen erfreulicherweise auch angezeigt, welche Rechte das Programm nach der Installation einfordert. Zur Skype-App für Windows 8 ist zum Beispiel folgendes zu lesen:

Diese App besitzt eine Verwendungsberechtigung für:
– Ihre Heim- oder Firmennetzwerke
– Ihre Internetverbindung, einschließlich eingehender Verbindungen aus dem Internet
– Webcam, einschließlich Aufnehmen von Bildern und Videos
– Ihr Mikrofron, einschließlich Audioaufnahme
– Ihre Internetverbindung

Vor dem installieren sollte man also einen kurzen Blick auf den entsprechenden Abschnitt werfen, so das man nicht böse überrascht wird. Entwickelt man seine eigenen Apps, muss man diese im Windows Store registrieren und zertifizieren lassen. Ob mir das als Endverbraucher eine Garantie dafür gibt, das die Applikation heimlich keine Daten ausliest, ist mir nicht bekannt. Aber der Virenscanner seines Vertrauens sollte in jedem Fall installiert sein bevor man sich fremde Programme auf dem Rechner installiert.

Umstellung in der Bedienung

Windows 8 ist für die Nutzung auf Tablet-PCs optimiert, aber auch moderne Laptops sind neuerdings mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm ausgestattet. Ich persönlich habe das Betriebssystem nur auf meinem Laptop installiert (der keine Gestensteuerung unterstützt), und nutze häufig das integrierte TouchPad. Ich muss zugeben, das die Steuerung auf dem kleinen Feld recht anstregend ist. Gerade wenn man eine App schließen möchte muss man (bei nativen Windows 8 Apps!) mit dem Cursor weite Wege zurücklegen: das Programm muss vom oberen Bildschirmrand nach ganz unten gezogen werden. Mit dem Finger mag die Bedienung gut funktionieren, und auch mit der Maus finde ich die Steuerung akzeptabel – aber auf dem TouchPad stört mich dieses Bedienung. Aber: Programme, die noch nicht auf Windows 8 angepasst wurden, beinhalten nach wie vor die Programmleiste am oberen Bildschirmrand und besitzen auch noch das [X] in der rechten oberen Ecke zum schließen der Applikation.

Windows 8 App vs. nicht auf Win8 angepasste Applikation

Links: Open Office v3.4.1 unter Windows 8 – mit bekanntem Erscheinungsbild
Rechts: Golem.de Win8-App (ohne Programmleiste am oberen Bildschirmrand)

Wer die Systemsteuerung sucht um seinen PC zu konfigurieren, braucht auf der Kachel Oberfläche nur einmal die rechte Maustaste betätigen und dann rechts unten auf „Alle Apps“ klicken. Auf dem darauf folgenden Screen werden alle installierten Apps und (richtigen) Programme aufgelistet. Hier findet man auch weitere Tools die ehemals unter „Windows Zubehör“ abgelegt waren. Also, alles weniger kompliziert als es häufig dargestellt wird. Bei der Rückwärts-Kompatibilität konnte ich bisher keine großen Probleme feststellen. Mit Ausnahme einer Anwendung (Kaspersky AntiVirus in Version 11 bzw. 12) liefen alle alten Programme unter Windows 8 ebenso zuverlässig wie unter Windows 7. Auch die Hardware des Laptops aus dem Hause Hewlett-Packard wurde (bis auf den FingerPrint- und CardReader) korrekt erkannt und installiert.

Windows-Konto in der Cloud

Microsoft lässt dem Benutzer bereits bei der Installation die Wahl: soll ein lokales oder ein sogenannten Microsoft-Konto erstellt und verwendet werden. Wählt man letzteres aus, werden diverse Einstellungen und Dateien in der sogenannten Cloud von Microsoft abgelegt. Welche Daten dies im Detail betrifft haben kann hier nachgelesen werden. Ich persönlich behalte aber grundsätzlich gerne die volle Kontrolle über meine Daten und bestimme selbst was im Internet landen soll und was nicht. Daher war die Frage bei mir schnell geklärt – ich verwende das traditionelle, lokale Benutzerkonto wie bisher auch. Aber wie man sich auch entscheidet: die Option lässt sich im nachhinein mit wenigen Klicks wieder umstellen.

Installieren oder warten?

Nach dem meine Kritik gegenüber Windows 8 recht milde ausfällt, stellt sich natürlich die Frage, ob der breite Verriss am Betriebssystem ungerechtfertigt daher kommt. Als Zwischenfazit bin ich schon der Meinung, das sie zum derzeitigen Zeitpunkt ungerechtfertigt ist. Vielleicht basiert die Einschätzung vieler auch auf den vorausgegangen Beta-Versionen. Ich konnte alle Funktionen, die Otto Normal benötigt, problemlos nutzen. Die meisten Programme starten ohne jedes Problem und die Umgewöhnung an eine etwas andere Oberfläche ist rasch vollzogen. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nochmal darauf hinweise, das ich Windows 8 am PC nutze, und somit auch das TouchPad bzw. eine Maus und eine richtige Tastatur zur Verfügung habe. Einen Tablet-PC besitze ich aktuell noch nicht, und kann daher auch keine Erfahrungsberichte zur Gestensteuerung liefern.

Ich habe mir Windows 8 zunächst aus reiner Neugiert installiert und war durch die bereits angesprochene Berichterstattung sehr skeptisch. Und zugegeben, Windows 8 bietet mir beim derzeitigen Stand keinen großen Mehrwert gegenüber Windows 7, aber es behindert mich auch nicht bei der Arbeit. Das Betriebsystem scheint mir sehr solide zu laufen, der Bootvorgang ist nach flotten 12 Sekunden abgeschlossen. Die Auswahl an qualitativ hochwertigen Apps ist noch recht gering; und auch wenn der Newsticker der Mail-App neu und spannend daherkommt, ist dies zumindest für mich derzeit noch eine nette Spielerei. Ich werde Windows 8 weiter nutzen, und auf meinem Stand-Alone-Produktiv-Rechner erstmal weiter mit Windows 7 arbeiten. Aber bei dem günstige (Update-) Preis kann man vermutlich nicht ganz viel falsch machen.