Social Media: mehr Belastung als Nutzen?

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Veröffentlicht:
November 2012

Wer sich im Netz bewegt kommt kaum an sozialen Netzwerken vorbei. Als Inbegriff der Social Media Szene ist Facebook ganz klar der Platzhirsch, aber auch die digitale Vernetzung im Bereich Business (LinkedIn, XING, …), Social Blogging (Twitter, Pinterest, …) oder Social Entertainment (MySpace, YouTube, Vimeo, …) kann man hier miteinbeziehen. Nutzt Du den Großteil der Social Media Angebote? Und lohnt sich die Teilnahme an vielen Dienst überhaupt?

Persönliches Social Media Verhalten analysieren

Ich selbst bin Opfer des digitalen Gruppenzwangs: ich bin Facebook beigetreten, da zahlreiche Informationen innerhalb der Studentenschaft nur in dem sozialen Netzwerk verbreitet werden. Auch Fachschaft und AStA publizieren fast ausschließlich hier aktuelle Informationen. Wäre ich dem Trend, mich den Gruppen und Seiten digital anzuschließen, nicht gefolgt, hätte ich zahlreiche Termine und Hinweise verpasst – das muss ich mir eingestehen. Auf der anderen Seite stellt sich mir die Frage welchen Mehrwert ich dem sozialen Netzwerk im Alltag ansonsten zusprechen kann. Bei irgendwas über 100 Kommilitonen in meinem Studiengang kommen täglich schon einige Posts zusammen die durch meinen Newsstream tickern. Das ich Facebook seitdem natürlich auch Abseits des Studiums nutze erwähne ich nur der vollständigkeit halber. Dennoch: wirklich interessante Nachrichten sind eher selten dabei, und doch überfliege ich den Großteil der Nachrichten. Die wirklich spannenden Infos registriere ich schließlich auch nur, da ich Meldung für Meldung durchgehe. Wie eine Zeitung; die interessanten Artikel pickt man sich raus, aber dafür muss man die Überschrift erfassen. Nur das Verhältnis zwischen tatsächlichem Nutzen und Zeitverschwendung dürfte bei 30 zu 70 liegen – zu Gunsten der Zeitverschwendung versteht sich. Das interessanteste neben Link-Tipps sind meist noch irgendwelche Musik-,  Buch- oder TV-Empfehlungen – glaube ich. So ganz sicher bin ich mir da nämlich gar nicht wenn ich gerade so darüber nachdenke. Klar ist mir aber, das die x-te App-Anfrage und die so-und-so-vielste 9GAG (und Konsorten) Verlinkung meist nicht mein Interesse weckt. Wenn ich mein persönliches Facebook-Verhalten analysiere spricht eigentlich vieles dafür dem Ganzen abzuschwören. Aber hier fängt die Geschichte ja erst an…

Ich bin natürlich nicht nur bei Facebook angemeldet. Auch bei Google+ bin ich registriert. Obwohl auch hier viele Kommilitonen eingekreist sind ist es aus der Richtung beängstigend ruhig. Oder eher entspannt ruhig. Private Nachrichten tauchen so gut wie garnicht auf. Hier wandern vorrangig Mitteilungen von Nachrichten- und Onlinemagazinen sowie  WebWorkern durch den Stream.

Twitter habe ich mal ausprobiert. Ja, einen Account gibt es auch hier. Aber der liegt seit Ewigkeiten brach. Die Idee der kurzen Mitteilung reizt mich nicht. Weder als Autor noch als Rezipient. Nur bei zeitlich aktuellen Themen  werfe ich die Suchmaschine von Twitter an und scanne die Tweets nach bestimmten Hashtags. Ist Seite XY gerade down? Was denkt die Web-Gemeine zur aktuell laufenden „Wetten dass“-Sendung. Einmal habe ich vom Bahnhof aus eine Rauchsäule über der Stadt gesehen… nach kurzer Recherche war klar: im Stadtteil nebenan brennt der Fahrradladen. Spannend! Wirklich häufig nutze ich den Micro-Blogging-Dienst aber nicht, womit mein Account eigentlich auch unnötig ist.

Ich habe noch Accounts bei einigen anderen Diensten. Bei denen, wo ich aktiv bin, erhöht sich nochmal die Zeit die aufgewendet werden muss, um die neuesten Meldungen zu durchforsten. Bei Diensten, bei denen ich nicht aktiv teilnehme, sollte ich mir überlegen ob die Mitgliedschaft (noch) Sinn macht. Denn in jedem Netzwerk präsentiert man sich mit (mehr oder weniger bewußt) eingetragenen Informationen.

Datensicherheit fängt bei mir selbst an

Gemein haben fast alle Dienste das man sich registrieren muss. Danach kann das virtuelle Profil mit Leben gefüllt werden. Angefangen bei einem Portraitfoto, über Musikgeschmack und Hobbys bis hin zu den Essensgewohnheiten und der politischen Ausrichtung kann alles publik gemacht werden. Durch die Angabe von Vorlieben und Interessen positioniert man sich in der Struktur der digitalen Vernetzung. Nur ist man, wie bereits erwähnt, häufig bei mehreren Netzwerken registriert. Je nach Ausrichtung des Dienstes werden ggf. auch unterschiedliche Informationen eingetragen. Bei XING ein paar berufliche, bei Facebook hinterlegt man vielleicht eher private Informationen. Das musikalische Interesse wird bei YouTube erkennbar und der Aufenthaltsort wird freizügig bei Twitter veröffentlicht.

Das alles ist nichts neues, und viele User schränken die Sichtbarkeit der eingetragenen Informationen bereits ein. Dadurch wird bereits vieles halb so wild. Nur wirklich bewußt macht man sich diese Tatsachen im schnelllebigen Alltag vermutlich eher selten. Bewußte Überlegungen in dieser Richtung haben bei Otto-Normal-Usern vermutlich eine Attraktivität wie die vom Interesse am Kleingedruckten aus Versicherungsverträgen; oder, um in der Branche zu bleiben: das lesen von Nutzungsbedingungen von sozialen Netzwerken. Ich möchte unterstellen, das 99% der Mitglieder keine Idee davon haben, was in den Bedingungen festgelegt wird. In der medialen Welt geht man ja auch fast davon aus, das schon irgendwer aufschreien wird wenn etwas nicht Rechtens ist. Wie dem auch sei: wer einen Bekannten in einem neuen Social Media Portal hat findet schnell den Weg hinein, und so mehren sich über die Dauer die Profile und damit auch die Informationsmenge und -dichte über die eigene Person. Wer die Anfänge eines Social Hypes mitverfolgt sollte nicht abwarten bis der Dienst in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, sondern sich hin und wieder hinterfragen ob eine Mitgliedschaft zum gegebenen Zeitpunkt noch Sinn macht.

In einem Fernsehbeitrag (Titel und Sender sind mir aktuell nicht bekannt) hat man versucht möglichst viele Informationen über eine bestimmte Person aus dem Internet heraus zu filtern. Der „Gestalkte“ wurde eingeladen und ihm wurde präsentiert, was für Informationen am Internet über ihn verfügbar sind. Sein Fazit lautete sinngemäß: „Mir ist durchaus bewußt was ich im Einzelnen alles poste, das sich daraus aber ein so detalliertes Bild über mein Leben ergibt überrascht mich doch etwas“.

Nutzen abwägen

Ich persönlich sehe kein Problem darin, bei allen Diensten angemeldet zu sein. Sofern man die Interaktion zeitlich gehändelt bekommt, und jedes Netzwerk entsprechend seinen Anforderungen bedient, spricht nichts dagegen. Ich spreche die aktive Pflege des Profils bewußt an, da nichts langweiliger ist als ein Uralt-Profil von vor X Jahren/Monaten/Wochen/Tagen… je nach Dienst. Und soziale Netzwerke funktionieren ja nur durch aktive Teilnehmer. Wenn jeder nur stiller Zuhörer wäre, würde kein einziger dieser Dienste existieren. Man sollte sich Fragen, ob man das Aufwand/Nutzen-Verhältnis für sich vertreten kann wenn man Facebook, Google+, Twitter und zahlreiche weitere Plattformen nutzt. Natürlich kann man nicht alles in tatsächlichem Nutzen bewerten wenn man das nur allzu menschliche Bedürfnis der „Berieselung“ berücksichtigt. Wer sich hingegen aktiv im Social Network beteiligt kann so viel posten wie er möchte, nur was genau veröffentlicht wird sollte hin und wieder überdacht werden. Vermutlich ist es in vielen Fällen aber auch nur die reine Neugier, die einen dazu treibt, den Account doch noch zu behalten. Nicht das man etwas wichtiges verpasst. Aber klar ist das der Aufenthalt in digitalen Netzwerken eine Menge Zeit verschlingt – und wenn es doch einmal zu viel wird sollte man guten Gewissens und ganz bewußt den Logout-Link anklicken.

Meine Gedanken zum Thema beziehen sich auf den privaten Nutzer von Social Media Angeboten. Aus beruflicher Sicht muss man die Bewertung sicher etwas differenzierter vornehmen, da hier andere Ziele im Vordergrund stehen.

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Die Idee zu diesem Artikel ist entstanden aus der Themenvorgabe vom WebmasterFriday: Social Media – wann ist es genug?

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