Die fabelhafte Welt der Einschaltquote

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Veröffentlicht:
Januar 2013

Das Fernsehen hat es schon nicht leicht: Tag für Tag hagelt es Kritik. Das Private macht Programm welches ohne Umwege in die Verdummung führt, und das Öffentlich-Rechtliche ist auch nicht mehr das, was es mal war – so heißt es. Ich finde das TV nach wie vor eine wunderbare Erfindung. Das Problem ist (in der Theorie) das viele nicht den AUS-Schalter finden, und direkt damit verknüpft ist die Einschaltquote: ein paar kurze Gedanken zum TV-Programm.

Ich bin grundsätzlich weniger der Typ TV-Gucker der sich berieseln lässt. Für mich soll im Rahmen der Sendung etwas vermittelt werden. Gerne reine Fakten, ebenso gerne eine Diskussion über ein Thema, nicht minder interessant ist eine Dokumentation über Landstriche auf dieser Welt von denen man in 99,9% der Fälle bisher nur gehört hat – die Bilder sprechen für sich. Es gibt eine so breite Vielfalt an Sendungen die spannend sind, die Spaß machen, die zum Nachdenken anregen. Natürlich gehören auch Spielfilme dazu; und Comedy darf bei vernünftiger Darbietung dem TV-Programm gerne beigemischt werden.

Dann aber gibts wiederrum diese Sendungen… ja, wie soll man sie nennen. Hier und da taucht der Begriff „Unterschichten-TV“ auf. Platte Scripted-Reality-Sendungen, die aufgrund ihrer Konzentration im Programm den Eindruck vermitteln sie würden gerne und viel geguckt; auf der anderen Seite gibt es z.B. Aussagen und Analysen von TV-Kritiker Oliver Kalkofe, der die These aufstellt, das diese Sendungen reine Lückenfüller sind. Sie seien billig zu produzieren, die Laien-Darsteller erhielten Fünfzig-Euro und bei dieser Rechnung seien diese Sendungen gerade noch profitabel und somit für die (oft privaten) Sender tragbar.

Ist die Einschaltquote schuld?

Aber was ist dann letztlich der Grund für diese Sendungen? Neben vielen Medienpsychologischen Effekten die da mit reinspielen ist die stärkste Beeinflussung für die Programm-Verantwortlichen wohl die sogenannte Einschaltquote. Die Fernsehbranche benötigt einen Gradmesser, ein Kriterium, um die Werbepreise zu bestimmten Uhrzeiten festzulegen und um die Relevanz einer Sendung gegenüber der Konkurrenz aufrecht zu erhalten. Das fatale ist allerdings, dass das Kriterium Einschaltquote ein Schätzwert ist. In der Realität ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, das die Zahlen völlig daneben sind.

Ein kleiner Auszug aus Wikipedia zur Erfassung der Einschaltquote:

Durch 5.640 Haushalte […] mit etwa 13.000 Bewohnern wird für über 34 Millionen deutsche Fernsehhaushalte mit insgesamt zirka 73 Millionen Zuschauern repräsentativ gemessen, welche Teile der Bevölkerung welche Sendungen auf welchen Programmen sehen. Ein Panelhaushalt steht für ungefähr 6.000 Haushalte.

Das muss man sich nochmal auf der Zunge zergehen lassen. Das TV-Verhalten von etwa 13.000 Bewohner wird repräsentativ für über 73 Million Zuschauer gemessen. Gut, es heißt die Zahlen seien „repräsentativ“ – aber wer soll bei so einer Hochrechnung daran glauben das sie der Realität entspricht? Ich würde gerne realistische Statistiken sehen. Was würde dann wohl passieren? Die Werbepreise von Werbefenstern zu tendentiell eher wenig rezipierten Uhrzeiten würden total wegbrechen, die Preise zur Prime-Time vermutlich mittelstark anziehen… aber da gehts ja wieder nur um den Faktor Kommerz. Interessanter würde es an der Stelle, wie die Sender daraufhin reagieren und welche Auswirkungen dies auf die Programmvielfalt hat. Würde sich das Programm zum derzeitigen tatsächlich stark verändern? Wäre die Folge das nur noch Halbtags gesendet würde, oder würde es noch mehr in Richtung „hauptsache billig produziert“ gehen? Alternativ könnte es sich in Richtung Qualität auspendeln, wenn erkannt würde, das Qualität sicher einfach besser verkauft – oder ist das völliger Quatsch? Ich habe über solche theoretischen Auswirkungen nie etwas recherchiert oder gelesen – vielleicht sollte ich das in einer freien Minute mal nachholen.

Das Traurige an der ganzen Sache ist aber:
Bei der kurz angerissenen Erfassung der Einschaltquote ist das ernüchternde, das es egal ist wenn ein Großteil der (vermeintlichen) Zuschauer den AUS-Knopf auf der Fernbedienung tatsächlich findet. Diese Nicht-Zuschauer spielen ja gar keine Rolle, sie werden gar nicht registriert – außer es ist zufällig einer der 13.000 Personen. Das heißt das TV-Gerät könnte 24/7 laufen, und doch wird mein Konsumverhalten nicht berücksichtigt. Und damit kann ich auf eine Veränderung lange warten. Hach, eigentlich schade.

Meiner Meinung nach sollten neue TV-Geräte eine Technik implementiert bekommen, die das tatsächliche TV-Verhalten mitloggt und via Internet die Daten komplett anonymisiert an eine zentrale Auswertungsstelle sendet. Ich fände das super. Eine Manipulation müsste durch Sicherheitsmechanismen ausgeschlossen werden und Ruck-Zuck hätte man nach 30 Tagen ein verlässliches Ergebnis. Das ließe sich seit dem 01. Januar 2013 sogar wunderbar mit der neuen Rundfunkgebühr vereinbaren: keiner bräuchte Angst haben erwischt zu werden weil das TV Gerät nicht angemeldet war, da nun die Haushaltsabgabe greift (sofern sie auch in Zukunft noch in gleicher Form existieren sollte) und sowieso „jeder“ zahlen muss.