Versteckspiel mit dem Instant Messenger

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Veröffentlicht:
Januar 2013

Rund 3 bis 5 Millionen Menschen nutzen in Deutschland Instant Messenger wie zum Beispiel ICQ, Skype oder den Yahoo! Messenger. Wieviele Kontakte jeder einzelne in seinem favorisierten Programm statistisch hat konnte ich leider nicht ermitteln. Aber, das ist auch gar nicht so wichtig, denn meiner Erfahrung nach versteckt sich ein Großteil der User im Internet. Status-Einstellungen wie „Abwesend“, „Beschäftigt“ oder gar „Unsichtbar“ sind tägliche Begleiter. Mein kleines Plädoyer zur Abschaffung von Online-Stati.

Rund drei bis fünf Millionen Internetuser in Deuschland (Quelle: IfD Allensbach, statista.de) nutzen einen Instant Messenger sobald sie mit dem Internet verbunden sind. Auch wenn die Zahl seit 2009 nur noch wenig steigt, je nach Häufigkeit der Nutzung sogar stagniert, sind diese Programme parallel zur Nutzung von Facebook & co. nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation im Internet. Bei Facebook hat der Durchschnittsnutzer rund 130 Freunde (Quelle: allfacebook.de, 2010), eine verlässliche Zahl an Kontakten bei Instant Messengern konnte ich leider nicht ermitteln. Bei der aktiven Nutzung vermute ich eine starke Gewichtung auf der Funktion sich gegenseitig Text-Nachrichten zu schicken was quasi jeder Instant Messenger und jeder Rechner von Haus aus unterstützt.  Weitere Features wie Video- oder der Sprach-Chat analog zum Telefon haben in den letzten Jahren sicher stark zugenommen, doch die Überwindung zur Nutzung ist hier sicher ungleich höher als bei normalen Textnachrichten. Die Funktionalität an sich ist alt, aber in der Sache nicht minder genial: egal wo auf der Welt sich meine Kontakte befinden – sobald beide Personen online sind können sie miteinander kommunizieren. Das kann der Nachbar sein, der 30m weiter in seiner Stube hockt oder aber die Urlaubsbekanntschaft aus Australien.

Das „Ich bin online“-Paradoxon

An sich sind diese Messenger also eine nette Geschichte. Ich selbst nutze Instant Messenger seit über 10 Jahren. Mein Eindruck im Laufe der Zeit geht in die Richtung, dass immer mehr Leute Gebrauch von der Status-Funktion machen die jedes Programm mit sich bringt. Hier gibt es neben der Standard-Optionen „Online“ auch weitere Einträge wie „Beschäftigt“ oder „Abwesend“. Sie sollen meinen Kontakten signalisieren, ob ich gerade erreichbar bin. Auch ich nutze diese Funktionen immer wieder im Alltag – und genau dieses Verhalten möchte ich an dieser Stelle hinterfragen.

Wozu bin ich mit meinem Instant Messenger überhaupt online, wenn ich doch einen Großteil der Zeit „Abwesend“ oder gar „Beschäftigt“ bin. Oder zumindest vorgebe es zu sein. Vor dem Hintergrund das die letzte Status-Einstellung auch beim Neustart aktiv ist spielt die Tatsache ob ich tatsächlich beschäftigt bin eigentlich gar keine Rolle. Oft ist es mir einfach egal welcher Status angezeigt wird; wichtig ist zu dem Zeitpunkt wohl eher das ich theoretisch erreichbar wäre – vielleicht gibt es ja was wichtiges. Die Nicht-Beachtung des Status bei mir selbst übertrage ich mittlerweile auch auf meine Kontakte im Messenger. Person A ist als „Beschäftigt“ markiert? Egal… die Chance das die Nachricht trotzdem gelesen wird ist recht groß. Die Person könnte sich gestört fühlen? Naja, dann soll die Person das Programm abschalten.

Macht das Sinn? Wenn ich viel zu tun habe wäre es sehr viel sinnvoller jede mögliche Ablenkung auszuschalten, um möglichst effektiv zu zielgerichtet zu arbeiten. Das würde aber bei vielen heißen: Instant Messenger abschalten, Facebook schließen, E-Mail Benachrichtigungsfunktion von Windows abschalten. Auch das Smartphone macht meistens auf sich aufmerksam wenn eine Nachricht eingeht – also Aus damit. Anders herum ist natürlich die Frage wie sich der Mensch schon auf die regelmäßige Ablenkung eingestellt hat. Wenn das Handy zumindest lautlos ist kann man im Alltag sehr gut beobachten das in pünktlicher Regelmäßigkeit das Gerät gezückt wird um zu schauen ob es Neuigkeiten gibt. Ein Beispiel hier für könnte die Fahrt im Zug sein, eine Vorlesung oder das Verhalten von Menschen die gerade einen Kinosaal verlassen.

In den letzten 10 bis 20 Jahren hat sich das Online-Verhalten natürlich grundlegend verändert. Vor gar nicht soo langer Zeit war es noch extrem teuer den ganzen Tag online zu sein. Da war man dann maximal seine 1-2 Stunden am Tag im Internet, hat in dem Moment bewusst seine Kommunikationskanäle geöffnet um eben in den Dialog zu treten. Facebook und andere soziale Netzwerk waren bis dahin – wenn man Foren und Newsgroups außen vor lässt – noch nicht präsent. Vielleicht ist ganz einfach das der Knackpunkt: der Wandel von der permanenten Offline-Welt in die heutige Zeit wo man permanent Online ist aber (unbewusst?) keine Lust hat ständig in Bereitschaft und Erreichbar zu sein – was mir aber immer noch keine Erklärung dafür liefert das man nicht einfach den Messenger (aká andere Kommunikationsmittel) abstellt. Eine andere, die für mich schlüssigste Erklärung für den permanenten „Beschäftigt“-Status ist die Unverbindlichkeit. Man trifft quasi eine Aussage: „Ja … ich bin hier und ich bin online … aber ich antworte nur wenn es mir passt. Und im Falle keiner Rückmeldung meinerseits musst Du, lieber Nachrichtensender, auch verstehen das ich mich nicht zurückgemeldet habe… ich war schließlich beschäftigt“.

In diesem Kontext ist die Funktion „Unsichtbar“, oder auch „als Offline anzeigen“ beschrieben, am kuriosesten. Was hat diese Funktion für einen Zweck? Man hat seine X Konktakte in seiner sogennanten Buddy-List. Nun geht man online, stellt seinen Status auf Unsichtbar, d.h. sämtliche Kontakt erhalten den Eindruck das man selbst gar nicht online ist. Für mich gibt es dafür nur zwei Erklärungen.

  1. Man hat Personen in seiner Kontaktliste die man eigentlich gar nicht mehr in seiner Liste haben möchte. Da stellt sich dann die Frage, warum man diese Kontakte nicht einfach löscht. Dann sieht man diese Personen selbst nicht mehr, der Kontakt erhält (soweit ich weiß) immer den Status „Offline“. Macht man dies nicht fängt man doch ein Katz-und-Maus-Versteckspiel an um sicher zu stellen das mich eben jene Personen nicht online antreffen. Wozu der Stress? Beende das Versteckspiel! Der Löschvorgang ist ja nur virtuell und auf anderen Kanälen kann man immer noch miteinander kommunizieren wenn gewünscht.
  2. Die zweite Möglichkeit ist meines Erachtens ein ähnliches Verhalten welches ich bereits weiter oben beschrieben habe. Vielleicht passiert ja irgendwas, und ich erhalte zufällig doch eine Nachricht – und in diesem theoretischen Fall bin ich *zack* sofort da und zur Stelle.

Wie dem auch sei. Jeder muss und soll natürlich für sich selbst entscheiden wie ein Instant Messenger genutzt wird. Aber dieser Beitrag ist ein Plädoyer für die Abschaffung von Status-Funktionen. So „ein bisschen“-Online bringts doch irgendwie nicht. Wer erreichbar sein möchte soll „Online“ gehen. Wer offline ist, ist dann halt auf diesem Wege nicht erreichbar – fertig.